"Wandervogel trifft Rhönforelle" - Besuch auf der fuldischen Schlemmermeile

29.06.08 - WANDERTAG - Eingefleischte Wanderfreunde schwärmen ja immer wieder, es sei ein Genuss, die Natur zu genießen und wandernd zu erfahren. Nach einem Marsch durch die Schlemmermeile entlang der Pauluspromenade unterschreiben diesen Satz selbst Menschen, die sich nicht widerstandslos in die Reihe der dortigen Besucher einreihen lassen. Ein Blick entlang der in Bühnennähe gut besetzten Tische verrät: hier heißt die Parole „Kniebund“ statt „bauchfrei“. Aber entgegen einer verbreiteten Vorliebe für kleinkarierte Oberteile, zeigen sich die Träger dieser Tracht ganz im Gegenteil recht freundlich und offen gegenüber den Vertretern der „Internetten“ Generation.

Schnell kommt man ins Gespräch und erfährt, aus welcher Richtung der Wanderfreund in die Domstadt eingelaufen ist oder wohin der Weg noch führen wird. Das ist in den meisten Fällen einer der Pavillons, die sich als unumgängliche Hindernisse zwischen der Bühne und dem Domplatz platzieren. Viel schwieriger als Höhenmeter zu überwinden oder Streckenlängen zu bewältigen ist es, den duftenden Versuchungen aus diesen weißen Kulinariktempeln zu widerstehen. Wohl dem, der sich zuvor auf einer der angebotenen Wanderungen einen "Bewegungs-Kalorienverbrauchs-Puffer" geschaffen hat, bevor er nun dem Rhöner Charme erliegt. Denn im Gegensatz zum Wiener Schmäh, der ja nur zu Herzen geht, greift die Rhöner Charmevariante ganz gezielt in Richtung Bauch und Hüften an.

So reicht allein die Palette der Würstchen vom zarten Reh-, übers Lamm-, bis hin zum Rhöner Bauernwürstchen, welches allerdings aus Schwein- und Rindfleisch hergestellt wird. Diese Rinder (Stand 4) wiederum treffen an Stand 7 "alte Kumpels" von der Weide in Form von Ochsenbrust wieder, die in den Pfannen der Hotels Schwan und Post auf ihre Bestimmung warten. Zwischendrin heißt es „Schwein gehabt“, allerdings nur für diejenigen vor der Pfanne. Die Wirtevereinigung Künzell hat das Beste aus dem Borstenvieh gemacht und tritt damit in direkte Konkurrenz zum Rhönschaf aus dem Hause Kehl und den Leckereien mit den Rhönforellen aus dem Gasthof Hohmann.

Vermutlich waren es die wilden Rittersleut der Ebersburg, die die Inhaber des gleichnamigen Berggasthofes dazu bewogen haben, Wildschweine in die Pfanne zu hauen. Zu hoffen ist, dass die Teams vom Wanderhotel Biebertal, der Gaststätte Herr und dem Lothar Mai Haus die Hühnchen vom Geflügelhof Bleuel auch gemeinsam gerupft haben. Wer diese Tiere lieber auf der Wiese als auf dem Teller hat, ist beim Stand des Fuldaer Hauses dann wohl doch am besten aufgehoben. Wer hier angekommen ist, weiß nach kurzer Zeit, was sich hinter „Heiße Rhöner Äbbel Krömbl“ verbirgt, oder hat sich, ganz traditionell und feige, für eine Tasse Kaffee und ein Stück Blechkuchen entschieden.

Gegen den Durst gibt es im Schatten des Doms zu Fulda natürlich den beliebten Gerstensaft aus dem Hochstiftlichen Brauhaus zu Fulda, dessen Stammhaus nur wenige Meter Luftlinie von hier entfernt steht. Hat die Rhön auch viel zu bieten, greift man beim Wein, wie schon in der Vergangenheit, aber doch lieber auf die Anbaugebiete von Rheinhessen, Pfalz und rund um Hammelburg zurück.

Auch beim Programm auf der Bühne gibt man sich Mühe, für jeden das Richtige dabei zu haben. So wechseln sich hier Show, Volkstanz und Musikdarbietungen den ganzen Tag über ab, bis es dann am Abend mit „Vorsicht Gebläse“ richtigen Rock auf die Ohren gibt. Und wer mag, kann versuchen auf der Touristik-Börse in den Sälen des Hotel Maritim unter den vielen vorgestellten Wanderregionen und Hotels ein ähnlich vielseitiges Angebot auszumachen. Die jüngsten Gäste wiederum sind auf dem Domplatz bestens aufgehoben. Dort laden verschiedene Stationen zum Mitspielen ein. Und wenn die vielen Eindrücke mal wieder hungrig gemacht haben - einfach nochmal zurück auf die Pauluspromenade.

Ein Tipp für alle vierbeinigen Besucher: Wanderer sind meist sehr hundefreundlich. Treuer Blick nach oben, dann fällt manchmal was ab - und wenn's auch nur ´ne Streicheleinheit ist. Und morgen, morgen geht’s wieder raus und die Leine kann dann auch wieder ab… (BM) +++


Fotos: Hendrik Urbin & Christian P.Stadtfeld



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